Crowdfunding für die Tonne!?

Crowdfunding – seit Jahren ein Schlüsselwort im Indie-Game-Sektor. Immer mehr Spiele werden durch Fans finanziert. Größte Crowdfunding-Plattform: Kickstarter. Ein Segen für Leute, die Kunst-, Kultur- und Geek-Werke anschieben wollen, aber nicht die nötigen Münzen im Portemonnaie haben. Super Geschichte! Aber wenn man mal die richtigen Fragen stellt – alles eben doch auch nicht so unproblematisch. Was, wenn ich 100€ in Wasteland 2 stecke und InXile dann sagt: Nö, wir wollen lieber doch nicht, weil zu teuer, zu wenige Mitarbeiter, zu viel Stress, zu wenig erwartbarer Gewinn, zu andere Gründe. Wandert das Geld wieder zurück auf mein Konto? Bzw. wie soll das Geld zurück auf mein Konto wandern, wenn es bei Kickstarter gar keinen Mechanismus dafür gibt? Welches Geld soll zurück kommen, wenn das sowieso alles in die Produktion geflossen, die aber aus welchen Gründen auch immer nicht fortgesetzt wird? Wozu habe ich dann 100€ bezahlt?

NPR hat gefragt, ob’s Geld zurück gibt und die Antwort von Kickstarter-Mitbegründer Yancey Strickler war eher ernüchternd, wenn auch kaum überraschend:

“I don’t know. I mean, no, I don’t think that we would. But certainly, the kind of thing you’re talking about is not a bridge that has been crossed yet. Someday it will. And you know, I think if something did go awry, it would be — it wouldn’t be my favorite day.”

Das ist zwar brutal ehrlich, aber sicher nicht das, was der gemeine Fan und Financier hören will. Und es zeigt das Problem von Crowdfunding-Plattformen: Unsicherheit. Ein Entwickler kann nie hundertprozentig voraussagen, ob er für sein Projekt genug zusammen bekommt. Und ein zahlender Fan kann nie sicher sein, ob mit seiner Finanzspritze wirklich am Ende Zählbares heraus kommt.

Wirklich ändern kann man das nicht, ohne leidenschaftliche Entwickler im Worst Case zu zwingen, Geld zurückzuzahlen, dass sie längst (im besten Falle sinnvoll) ausgegeben haben. Solange das in vergleichsweise kleinen Dimensionen vorkommt, ist das zu verschmerzen – für Fan wie für Macher. Aber ich möchte nicht den Tag erleben, an dem ein crowdgefundetes Millionenprojekt eingestellt wird. Der zu erwartende Entrüstungssturm ginge nicht nur durch Fans, Medien und Netzwerke, sondern wahrscheinlich vor allem lächelnd durch Großpublisher, die sich dann triumphierend darüber beugen könnten, um laut zu verkünden: “Tja, wäre mit uns nicht passiert.” Das Problem: Sie hätten Recht.

Trotzdem das Plädoyer: Weiter die Kleinen unterstützen! Was wäre die Spielelandschaft ohne ein Minecraft (als übertriebenes, viel zu großes Beispiel)? Das war zwar kein klassisches Crowdfunding, aber wurde ab der Alpha-Phase von Fans finanziert. Die Indieszene lebt von der Leidenschaft! Ohne Risiko wär ja auch langweilig.

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