Breaking News: Free2Play-Modell aus Asien

Ist der bescheuert? Free2Play gibt’s seit Jahren, das ist nichts Neues, das nervt heute wie vor zwei Jahren, weil die Qualität in 99% aller Fälle auf der Strecke bleibt.
Weiß ich alles, echt. Aber SPIEGEL ONLINE, diese Füchse, haben’s jetzt auch kapiert. Klar, ist ja auch Gamescom in Köln, da muss man mal beweisen, dass man Kultur in wirklich kompletter Breite abdecken kann. Mit einem Beitrag, den man deckungsgleich auch vor einem Jahr hätte posten können.
Der gute Herr Stöcker steigt ein mit:
Es sind für diese Branche höchst ungewohnte Sätze zu hören bei der Gamescom 2012. Zum Beispiel dieser hier, von Peter Moore, leitender Geschäftsführer bei Electronic Arts (EA): “Viele Leute spielen heute gratis, und das ist völlig in Ordnung.”
Weder sind das ungewohnte Sätze, noch hört man diese Sätze zum ersten Mal auf einer großen Messe im August 2012. Natürlich ist SPIEGEL ONLINE kein Fachmedium und holt Games und Co. nur ins Portfolio, wenn das Sommerloch es zulässt. Schön und gut und in Ordnung so. Aber dann bau ich doch nicht so eine “Geschichte”, sondern belasse es bei ein paar News-Zeilen zur Messe. Oder ich mach’s richtig und recherchiere eine vernünftige Reportage (man hätte nur mal zwei Gameblogs und die GameStar-News oberflächlich anschauen müssen, um zu wissen, dass man hier in abgestandenem Quark herum rührt), die tatsächlich krediblen Gehalt hat.
Es ist ja prinzipiell wunderbar, abseits der einschlägigen Branchenseiten Videospiele nicht nur in Zusammenhang mit Amokläufen, Verfettung und Verblödung zu finden, aber es ist offensichtlich noch ein weiter Weg von Killerspieldebatten zu ernstzunehmenden Medien- oder gar Kulturdiskussionen.
Übrigens, gerade ganz frisch reingekommen: Spanien ist Fußball-Europameister der Herren!
Der Spiegel ist mittlerweile sowieso nur noch ein Käseblatt. Und dass es eher Pay2Win ist, als F2P dürfte auch jedem Gamer klar sein. Und das man den Spielern mit diesen Free2Play Modellen nichts gutes tun will, sondern nur mehr das Geld aus der Tasche ziehen will sollte einem auch klar sein.
Die Frage ist, ob sich die großen F2P Modelle die in Asien gut funktionieren auf dauer hier etablieren können. Bisher läuft es im Bereich MMOs ja eher so, dass ein Pay2Play Modell auf den Markt geschossen wird und sobald die Spielerzahl sinkt, wegen fehlender Qualität des Spieles wird auf F2P mit Itemshop umgestellt um sich über Wasser zu halten. Wirklich Erfolg fährt man damit aber nicht ein imo.
Das Problem ist einfach, dass bei den Itemshops der Aufschrei sehr schnell groß wird, dass das Spiel Pay2Win ist und man im vornherein abgeschreckt wird, weil man weiß, dass man zahlen muss um effektiv weiterspielen bzw. spürbaren Fortschritt machen zu können. Bei Diablo 3 gabs auch in den Foren hundertseitige Threads über das Auktionshaus.
Die einzigen Spiele die mir einfallen, wo Free-2-Play gut funktioniert sind League of Legends und Team Fortness 2. Da man da durch die Itemshops keinen Vorteil gewinnt und die Sachen idR nur rein Optisch sind. Wobei man da auch unter Kritik stellen kann ob ein Hut in TF2 wirklich 20-80 oder sogar mehr Euros Wert ist. Da wird natürlich auch gezielt mit der Sammelleidenschaft und dem "ich-will-was-total-seltenes-"- Gen gespielt. Und bei League of Legends muss man einfach das Punktesystem kritisieren, weil es duch den nicht 1:1 Umwechselkurs undurchschaubar ist, wie viel so ein Skin wirklich kostet. Außerdem sind die Beträge die man mit kaufen kann (also diese Riot Points die man im Shop verwenden kann) immer sehr ungerade und man hat idR immer welche Übrig und wird somit zum Kauf von neuen ermutigt, weil einem dann 10-20 Punkte fehlen um sich etwas neues Kaufen zu können.
F2P, P2W und Co. sind ja nochmal 'ne ganz eigene Problematik. P2W scheint sich ja für die Publisher immer mehr zu rechnen.
Ich fand es nur befremdlich, dass der Spiegel hier, gefühlt, die Weltneuheit kostenloser Spiele mit kostenpflichtigem Zusatzinhalt verkündet. Man kann schon mindestens seit 2010 kein Games-Fachmedium mehr konsumieren, ohne von neuen Free2Play-Spielen zu erfahren.
Das hat so einen krampfigen Es-ist-gamescom-und-wir-brauchen-eine-Geschichte-Anklang. Da reine Spiele-Berichterstattung ausfällt und immer weniger Killerspieler Amok laufen, blieb wohl nur noch das Thema übrig, das ernsthafte Videospiele als Nächstes am Besten entwertet. Nunja…