Wildfireworlds – oder: die Freude am Kaputtmachen

Was hat der Hinduismus mit Aufbauspielen gemeinsam? Bei beiden wird der Fokus in der Regel nie auf das volle Spektrum des Möglichen gelegt. Der Hinduismus dreht sich im Kern zwar um die drei Gestalten Brahma, Vishnu und Shiva, welche für die Schöpfung, den Erhalt und die Zerstörung aller Dinge stehen, doch konzentrieren sich viele Hindus meist nur auf einen der drei Hauptgötter und beten bspw. im Brahman nur den Schöpfer aller Dinge an. Ähnlich verhält es sich in klassischen Aufbauspielen wie Sim City. Auch hier konzentriert sich der Spieler zum Großteil auf das Erschaffen sowie meist noch den Erhalt von Dingen.

Doch jetzt wird das Spektrum erweitert, denn mit dem Projekt Wildfireworlds übernimmt der Spieler die Rolle von Shiva (der Zerstörung).

Die Entwickler versprechen ein Gameplay, das es in dieser Art und Weise noch nicht gab. Das Spiel liefert eine vollkommen intakte Welt, bevölkert mit problemlosen Bewohnern, die in Harmonie vor sich hin leben. Diese Ausgangsbasis darf nun vom Spieler komplett zerstört werden. Wenn man den Entwicklern glauben darf, unterliegt man dabei allein den Grenzen der eigenen bösartigen Kreativität. Ein Feuer in der Schule legen? Kein Problem! Protestierende Menschen von der Polizei erschießen lassen und so einen Bürgerkrieg auslösen? Klar!

Und jetzt das Beste: auch wenn man die Spielwelt bis aufs letzte Körnchen runtergewirtschaftet hat, wird sie immer wieder von neuem aus den Ruinen erwachsen. Die Bewohner werden wiederkehren, ihre Häuser aufbauen, Bäume pflanzen und Straßen betonieren. Es soll kein Game-Over implementiert werden. Das Spiel wird so zu einem endlosen Kreislauf aus Schöpfung, Erhalt und Zerstörung. Klingt irgendwie stärker nach Hinduismus als das klassische Aufbauspiel.

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