Digitale Universen

Die Leistung unserer Computer steigt und steigt. Verglichen mit dem Commodore 64 aus den 80er Jahren, welcher meine Computerleidenschaft erstmals zum Blühen brachte, sind selbst unsere günstigsten Smartphones hundertfach leistungsfähiger.

Irgendwann steigt die Leistung unserer Rechentechnik vielleicht so weit an, dass wir ganze Welten darin simulieren können. Natürlich könnte man sagen, dass wir das schon tun. Wer einmal ein gutes Rollenspiel oder Adventure gespielt hat – ich nenne da nur all zu gern The Longest Journey von Ragnar Thørnquist, Gothic oder die Elderscrolls-Reihe – könnte der Illusion verfallen.

Doch sind dies alles nur gut geschriebene, interaktive Spielfilme, wenn man es so will. Es gibt feste Grenzen, in denen die Entwickler alles fein-säuberlich mit Details ausstaffiert haben. Umso gründlicher und einfallsreicher sie damit waren, umso besser wird das Spieleerlebnis zumeist. Wählen sie dabei die Grenzen noch sehr großzügig, hat man einige Wochen Freude daran, die Welt zu erkunden, Höhlen zu erforschen, den Geschichten der Leute zu lauschen und ihre Probleme zu beseitigen. Mehr oder weniger nebenbei rettet man dann meist auch noch die Welt.

Nun gibt es aber doch seit jeher schon den Wunsch, Welten zu schaffen. Einigen Spielern (wie zum Beispiel mir) ist das Erkunden der Welt wichtiger als die meisten anderen Elemente in einem Spiel. Diese Spieler lieben das, was andere an Spielen wie Gothic und The Elder Scrolls nicht mochten: Einfach in eine riesige Welt gesetzt zu werden, ohne eine klare Linie zum nächsten Ziel. Aber genau das ist für mich der Reiz. Da liegt eine ganze Welt zu meinen Füßen und ich habe die Möglichkeit, sie zu erkunden, in ihr Dinge zu erleben, die ich in der Realität nicht erleben kann.

Aber ich drifte durch mein Schwelgen zu sehr vom Thema ab. Eigentlich sollte es um digitale Universen gehen, also noch eine Stufe weiter. Und genau die entstehen gerade in zwei fast schon gegensätzlichen Spiel-Projekten. Gegensätzlich, obwohl sie sich im Kern so gleich sind: Sie simulieren eine ganze Galaxie mit abertausenden von Sternen und Planeten. Und sie ermöglichen dem Spieler, diese Galaxie zu erkunden, Kolonien zu entdecken oder zu gründen. Zeitgleich den Abenteurer und Kundschaft in höchste Glücksgefühle stürzen, wie auch den Kriegern ihren Blutdurst stillen wollen sie.

Was kann da nun noch gegensätzlich sein? Alles, was man sieht. Während eines der Spiele in guter alter Retro-Manier daher kommt und mit Symbolen auf einer schwarzen Fläche voller Punkte hantiert, zeigt sich das andere in hochmoderner, wunderschöner Grafik. Während man bei einem mit den Tasten durch die Sonnensysteme navigiert und sich sprunghaft auf einen dort entdeckten Planeten bewegen kann und sich die Details hinter ASCII-Zeichen verstecken, steuert man bei dem anderen sein Schiff durch den Raum, zum Planeten hin, durch seine Atmosphäre, über seine Meere, Steinwüsten oder Wälder. Beide sind damit auf ihre Art wunderschön – treiben sie die Fantasie doch auf ganz unterschiedliche Weise zur Höchstleistung.

Der Haken: Beide sind auch noch in einer ziemlich frühen Entwicklungsphase. Wir werden wohl leider noch einige Zeit auf sie warten müssen. Die beiden Projekte heißen Infiniverse und Infinity Universe. Ersteres – im Retrostyle – bietet bereits etwas Spielbares, bei dem man aber kaum mehr kann, als eben durch die Welt zu navigieren. Zweiteres beschwichtigt uns derzeit noch ausschließlich mit Screenshots, Videos und technischen Infos über die Engine-Entwicklung. Letztere übrigens oftmals sehr interessant.

Beide erzeugen ihre Welten übrigens prozedural. Das heißt, es gibt einen Algorithmus, mit dem die Position in der Welt wieder ausgerechnet werden kann, wenn man sie besucht. Nur Änderungen, die man daran vorgenommen hat (zum Beispiel gebaute Kolonien) werden separat gespeichert. So ermöglicht die Mathematik, gepaart mit der hohen Rechenleistung unserer Computer eine großartige Illusion: Ein digitales Universum.

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