WoW: Auf den Bären gekommen
Der Großteil der WoW-Community hielt es anfangs für einen ausgeleierten Witz seitens Blizzard. Schließlich wollten die Entwickler diese Idee schon seit fast zehn Jahren umsetzen und nutzten sie viel zu häufig als obligatorischen “Aprilscherz”. Nun sollte das “Pandaran Empire” also wirklich realisiert werden. In den vorherigen Erweiterungen wurde strikt darauf geachtet, die Weltkarte mit Gebieten zu erweitern, die der ursprünglichen Warcraft-Lore zumindest zum Großteil entsprangen. Doch nun konzentriert sich plötzlich ein ganzes Add-On auf Pandas, inklusive eigener Klasse, die bisher nicht mehr als ein Running Gag der Entwickler waren.
Warum gerade jetzt? Ist das Potenzial der Warcraft-Geschichte wirklich schon erschöpft? Nein. Allein auf die Umsetzung des Emerald Green wird schon seit Vanilla-WoW geteast. Wurde der Druck der Community, die Pandaren einzuführen, zu stark? Wieder nein. Die Community wünscht sich eh alles Mögliche, nie wurde darauf in solch einem Maße eingegangen, sonst würde man schon längst “Housing” und “Unique Craftships” ingame vorfinden. Warum also erschien am 25. September 2012 ein World of Warcraft Add-On dessen Hauptinhalt Pandas sind?
Bei der Lösung dieser Frage ist ein zweites Datum behilflich, der 2. Oktober 2012. An diesem Tag erschien “Mists of Pandaria” in China. Damit erschien erstmals in der WoW-Geschichte eine Erweiterung in der gleichen Woche in China und dem “Rest der Welt”. Bisher lagen teilweise Jahre zwischen dem Release eines Teils von World of Warcraft im Westen und dem Reich der Mitte. Worum geht es Blizzard mit der Einführung des chinesischen Nationaltieres in ihr ökonomisch erfolgreichstes Spieleprodukt? Der asiatische Markt im generellen und der chinesische im speziellen sollen nach fast acht Jahren endgültig erschlossen werden. Bisher wirkten die Bestrebungen in diese Richtung immer eher halbgar. Aber in Zeiten, in denen immer mehr westliche User das Spiel verlassen – vor dem Release von MoP lag die Abo-Zahl bei nur noch knapp 9.1 Millionen – müssen neue Märkte konsequenterweise erschlossen werden. Zudem wurde aus Diablo 3 nicht der erwartete Erfolg, zu dilettantisch wurde mit den Erwartungen der Community umgegangen.
Man will seitens Blizzards nichts unversucht lassen möglichst lange wieder über 10 Millionen User zu binden und zu melken. Denn die Entwickler wissen, das mit “Titans” ein MMORPG entstehen muss, dass durchweg funktioniert und nicht enttäuscht. Vielleicht werden dort dann von Grund auf mehr und mehr asiatische Elemente einfließen. Vielleicht ist MoP aber auch nur ein (vor-)letzter Versuch ein Genre zu erhalten, dessen Spielidee auf Quantität beruht, aber eben nicht mehr die Masse an Menschen anspricht. Das “Massive” im MMORPG wird neuerdings eher in Social Networks gefunden. Sollte der angestrebte Plan scheitern, wäre der nächste logische Schritt für Blizzard also ein eigenes Pandaville oder Angry Panda.